Gefängnis und Arbeit


Im Knast trifft man selten die früheren Klassenbesten, häufig aber die Sitzenbleiber und aus der Ausbildung Rausgeschmissenen. Schlechte Bildung aber ist Humus für Kriminalität. Die Vollzugsanstalt muss Bildungsanstalt sein, will sie ihre Bewohner für immer entlassen.
So differenziert und vielfältig wie im Strafvollzug ist pädagogische Arbeit nirgends. Wissensvermittlung ist hier mit Persönlichkeitsbildung untrennbar verbunden. Wer Lesen und Schreiben lernt, erwirbt das Selbstbewusstsein und die Kompetenzen, Konflikte demnächst mit Worten auszutragen.

Wer Schweißen, Kochen oder Mauern zu errichten lernt, verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt und muss demnächst nicht mehr klauen oder betrügen. Wer seinen Haftalltag durch Ausbildung oder Arbeit strukturiert, wird auch nach seiner Haftentlassung nicht am Frühaufstehen scheitern oder am Arbeitsplatz schlapp machen.

Eine allgemeine Arbeitspflicht, wie sie bislang im Strafvollzugsgesetz des Bundes statuiert war, kennt das neue Brandenburgische Justizvollzugsgesetz nicht mehr. Das bedeutet nicht, dass Arbeit nicht mehr als Resozialisierungsmittel eingesetzt wird. Im Gegenteil wird Arbeit nun, der Generallinie des neuen Gesetzes folgend, wie alle Behandlungsmaßnahmen gezielt und strukturiert als Arbeitstherapie und Arbeitstraining bei solchen Gefangenen eingesetzt, die dieser Maßnahme zur Rückfallverhinderung bedürfen. Daneben tritt die auf Antrag oder mit Zustimmung der Gefangenen zugewiesene Arbeit, die keine spezifische „behandlerische“ Zielsetzung hat, und dem Gelderwerb dient.




Schulische und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen


In Brandenburgs Vollzugsanstalten werden auf Grundlage der §§ 27, 28, 29 und 65 BbgJVollzG leistungsdifferenzierte Maßnahmen der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung für Gefangene angeboten. Solche Angebote sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es Gefangenen nach ihrer Haftentlassung gelingt, Arbeit zu finden und ihren Lebensalltag erfolgreicher als bisher zu bewältigen, um darüber gesellschaftlichen Halt und Anerkennung zu erhalten. Viele Gefangene haben schlechte oder gar keine Bildungsabschlüsse und müssen über das Erlernen einfacher beruflicher Fertigkeiten oder die Vermittlung elementarer Alltagsqualifikationen auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet werden. Daneben gibt es aber auch Gefangene mit qualifizierteren Bedarfen und speziellen Bildungsbedürfnissen.

Im Rahmen von schulischen Qualifizierungsangeboten sind justizeigene Vollzugspädagogen in nichtabschlussbezogenen allgemeinbildenden Bildungskursen und externe Lehrkräfte der örtlich zuständigen Schulämter im Rahmen von Berufsschulunterricht oder Schulkursen tätig. Berufliche Qualifizierungsangebote werden mit Hilfe von externen Bildungsträgern durchgeführt.